Ich setze mir etwas in den Kopf und ziehe es durch - auf geheimer Mission und zwei Rädern gen Heimat

Es war Ende September. Und kalt. Meine Mutter würde bald Geburtstag haben und ich hatte schon wieder Sehnsucht nach Zuhause. Zuhause - was ist das schon? In dem Falle die Heimat. Es führte alles Gute zusammen und wir haben uns den Brückentag heraus gearbeitet. Ein langes Wochenende stand bevor. Mir kam eine kranke Idee in den Kopf. Heim fahren. Mit dem Motorrad. Und dann meiner Mutter persönlich zum Geburtstag gratulieren. Die Strecke war eigentlich unkompliziert, da ich mich inzwischen an Autobahnen heran traute. 450 Kilometer hin, 450 Kilometer zurück. Ich wollte endlich wieder Kurven, Berge und Gefälle fahren, denn das gibt einem den Kick. Ich machte am Vortag mein Baby startklar - Volltanken, Ölstand prüfen, Luft aufpumpen, Kette schmieren. Dick eingepackt mit zwei Rucksäcken startete ich gegen 5 Uhr früh bei Minusgraden. Die Kälte machte mir am meisten zu schaffen. Doch mit einem wunderschönen Sonnenaufgang kam auch der Kampfgeist wieder durch. Umdrehen gibt es für mich nicht. Es war ein tolles Gefühl, als die bekannten Städte ausgeschildert waren. Besonders intensiv war es bei der Autobahnabfahrt Chemnitz. Mir schossen Tränen in die Augen, als ich das orangefarbene Schild mit der 95 sah. Ich musste nicht mehr lange durchhalten. Der rechte Griff lief nicht mehr auf Vollgas und der Spaß begann. Von Chemnitz nach Hause sind viele schöne Kurven. Das Wetter war optimal. Ich öffnete die Haustür. Niemand da. Mist. Ich vermutete meine Familie in der Stadt, aber die Pizzeria war geschlossen - logisch, Feiertag. Ich fuhr wieder zurück und dann traf ich sie auch an. Mit den Worten "Du bist doch bekloppt" wurde ich empfangen. Auch diese Aktion habe ich nicht bereut. Das gesamte Wochenende war ich nur am fahren. Es ist meine Art, das Leben zu spüren. Die Rückfahrt am Sonntag war angenehmer; es war generell wärmer und ich hatte noch mehr angezogen. Am nächsten Tag ging es wieder an die Arbeit und ich war wieder total ausgeglichen.

26.1.14 16:31

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


PP (26.1.14 17:20)
Das Leben kann man überall spüren, nur nicht auf einem Motorrad. Motorrad fahren ist wegfahren vom Leben, ist flüchten, ist vorgetäuschte Unabhängigkeit. Wer hat dich denn allein ins Leben entlassen, ohne dir zur zeigen, auf was es ankommt im Leben und was Leben wirklich bedeutet?


(26.1.14 17:29)
Das mag vielleicht sein, dass ich flüchte. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, deshalb zieht es mich in meiner Freizeit immer wieder dort hin. Ich weiß, worauf es ankommt, sonst wäre ich nicht an dem Punkt in meinem Leben, wo ich jetzt bin.

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